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Jeder kann jetzt alles

Mit KI lässt sich vieles für jeden umsetzen, ohne Expertenwissen. Aber nur, weil man es kann, sollte man es vielleicht nicht unbedingt machen. Ein paar Risiken finden sich hier im Artikel.

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Geschrieben mit Tastatur ohne KI

Web-Entwicklung war noch nie mein Ding. Vor allem das ganze CSS-Wissen hat mich abgeschreckt, aber das war ja zwingend nötig in den Nuller-Jahren, dank Internet Explorer und anderen Pseudostandards. Und der Zwang zu Javascript – für mich ein Graus.

Eine Website in 2 Stunden

Diese Website habe ich aber, fast komplett, in nichtmal 2 Stunden gemacht. Ein Prompt, der auf meine alte WordPress-Seite verwiesen hat, die Anforderung „etwas nerdiges Design”, Mehrsprachigkeit und so, dass ich kein Cookie-Banner anzeigen muss. Wenige Minuten später steht das meiste, dann noch etwas optisches Finetuning.

Den serverseitigen Teil des Kontaktformulars habe ich mir allerdings genau angesehen und geprüft, damit ein Missbrauch möglichst ausgeschlossen werden kann.

Oder doch keine 2 Stunden?

Zum Glück dann auch mal meine Social-Media-Links geprüft – die hatte sich die KI nämlich ausgedacht, statt die Links zu nutzen, die auf der alten Seite korrekt eingetragen waren. Danach nochmal alles genau geprüft, die falschen Links haben mich misstrauisch gemacht.

Am Ende der Test, ob das Kontaktformular auch wirklich Mails zu mir schickt. Nein. Sogar eine Fehlermeldung wurde implementiert, aber die wird jedes Mal angezeigt. Weitere 2 Stunden später – und ja, mit Hilfe von KI – den Fehler gefunden. Der SMTP-Port zum Mailversand war vom Serveranbieter gesperrt. Konnte die KI ja nicht wissen.

Das kann jeder!

Ich glaube, den ersten Stand kann inzwischen fast jeder in der Zeit erreichen, wenn etwas Übung im Prompt-Schreiben vorhanden ist. Das Prompten kann man lernen, oder sich von der KI leiten lassen, die richtigen Strukturen zu finden. Dass dann die offensichtlichen Bugs und Unstimmigkeiten behoben werden, sollte auch jeder schaffen, mit offenen Augen und ein paar Usertests. Zumindest wenn man sich mit Webseiten und der Technologie dahinter etwas beschäftigt hat.

Sollte das jeder?

Nein. Wer sich nicht auskennt, bleibt irgendwo hängen und weiß nicht weiter. Den Bug mit dem Kontaktformular hätte ein Laie so nicht beheben können. Eine KI neigt dazu, dann ziellos „rumzubasteln”, Dinge auszuprobieren, alles in dem ständigen Glauben, das Problem jetzt erkannt zu haben. Und einen manchmal auffordert, auf seinem Server sicherheitskritische Befehle einzugeben, die jedem Linux-Admin die Haare zu Berge stehen lassen.

Post vom Abmahn-Anwalt

Und es geht nicht nur um die Technik, sondern auch um rechtliche Themen. Wann brauche ich ein Cookie-Banner? Wie kann ich verhindern, dass ich eins brauche – und auch sicherstellen, dass der erzeugte Code das tut, was ich glaube? Wo ist der Vor- und Nachteil, wenn ich die Schriftarten, die ich verwende, selbst hoste? Und darf ich das überhaupt? Werden Daten gespeichert und wenn ja, welche – und wie wirkt sich das auf die Datenschutzseite aus und warum brauche ich die überhaupt?

Hier hilft nur Erfahrung. Auch die KI kann helfen, sehr gut sogar. Aber man muss wissen, was und wie man sie fragen muss. Sie kann Antworten bieten, aber sie übernimmt keine Verantwortung.

Der Zweck heiligt die Mittel

Einige Designer-Freunde reagierten direkt mit „man sieht sofort, dass die Seite KI-generiert ist”. Ja, mag sein, mir aber egal. Ich wollte eine einfache Seite, ohne fast tägliche WordPress-Plugin-Update-Hinweise. Und mal ganz ehrlich, 9 von 10 WordPress Seiten erkennt man auch sofort am Template. Aber so habe ich in kürzester Zeit ein Problem gelöst, für das ich früher einen Designer und einen Web-Entwickler hätte beauftragen müssen.

Kann jetzt jeder alles?

Es fühlt sich manchmal so an. Die KIs geben einem ja auch meist recht, bekräftigen eigenen Bias und widersprechen nicht. Das ist gefährlich, spätestens wenn es um wichtige Dinge geht. Dazu gehören auch so langweilige Themen wie Datenschutz und Governance, aber die gehören nun mal dazu.

Software ist viel mehr als der bunte Screen, den man an seinem Smartphone oder Laptop bedient, mindestens 80% sind nicht sichtbar. Softwareentwicklung ist der ganze Prozess: von der Anforderungsanalyse, der nichttechnischen und technischen Konzeption, dem Betrieb, der Skalierung und allem was am Ende ein Produkt ausmacht, das vielleicht an Kunden verkauft werden soll. Bei vielem kann einem eine KI helfen, manches kann sie komplett übernehmen und eine abschließende Kontrolle reicht meist. Aber es gibt Teilprozesse und Komponenten, die Anforderungen erfüllen müssen, die (zumindest nach aktuellem Stand) keine KI abdecken kann.

Das Problem ist nicht die Technologie, das Werkzeug. Das Problem ist, dass der Mensch auf der anderen Seite nicht weiß, was er nicht weiß. Und glaubt, fertig zu sein.

Was, wenn ein Pilot, der sich zwar mit Flugzeugen ziemlich gut auskennt, die Software für den Autopilot kurz vor dem Flug selbst per KI noch mal anpasst? Würdest du mitfliegen?

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